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Mutterkühe auf Alpweiden – Chancen und Risiken
Dominik Konrad & Matthias Risch
11. Juni 2024
Als Alpgenossenschaft und damit als Eigentümerin und Bewirtschafterin von Alpweiden sind wir sehr daran interessiert, dass unsere Flächen vollumfänglich bestossen werden. Nur dadurch können wir sicherstellen, dass unsere Flächen in ihrer Charakteristik und ihrem Erscheinungsbild erhalten bleiben. Gleichzeitig bringen Veränderungen in der Nutztierhaltung aber neue Herausforderungen für uns, welche früher nicht, oder nur bedingt eine Rolle gespielt haben.

Die Landwirtschaft im Wandel

Die Landwirtschaft ist im stetigen Wandel – sie passt sich dem Zeitgeist und den Gegebenheiten an. Während viele unserer Vorfahren noch vor hundert Jahren eine kleine Viehwirtschaft besassen und ihre Kühe sömmerten, damit das Futter für den Winter reichte, so folgte die Entwicklung in der Nachkriegszeit zu grösseren Milchviehbetrieben. In den letzten 20 Jahren haben in der Schweiz rund 20’000 dieser Landwirtschaftsbetriebe die Milchproduktion jedoch ebenfalls aufgegeben. Gleichzeitig haben aber auch viele Betriebe ihre Produktion intensiviert und setzen auf intensive Milchviehrassen und Produktionssysteme ohne Alpung. Folglich haben Alpbetriebe damit zu kämpfen, dass genügend sömmerungs-taugliches Vieh gefunden wird. Gleichzeitig nimmt die Anzahl an Mutterkühen konstant zu und erreicht Jahr für Jahr neue Höchstwerte. Diesen Trend lässt sich teilweise auch in Liechtenstein beobachten.

Diese beiden Entwicklungen führen dazu, dass auch auf unseren Alpweiden, vermehrt Mutterkühe und Kälber gesömmert werden. Durch die Sömmerung von Mutterkühen können wir unsere Alpen nach den Vorgaben bestossen und erhalten dadurch die von allen geschätzte Landschaft in den Bergen. Wir mindern dadurch die Verbuschung und fördern die Biodiversität – Enzian und Männertreu bleiben beispielsweise erhalten, Balzplätze für Birkhähne werden gefördert. Die Mutterkühe sind also weit mehr als nur eine Chance für uns, genügend Vieh für die Alp zu finden.

 

Mutterkühe auf Alpweiden

So idyllisch der Anblick friedvoll wiederkäuender Kühe, und munteren Kälber auf Alpweiden auch ist, die direkte Begegnung mit den Herdentieren gilt es, als Wanderer, in jedem Fall zu vermeiden. Gerade in Gebieten, in denen sich Wanderwege und Kuhweiden kreuzen, sollte man ein wachsames Auge auf die Tiere werfen und genügend Abstand wahren. Grundsätzlich muss erwähnt werden, dass Kühe keinesfalls böswillig jemanden etwas zu Leide tun – Kühe sind neugierig und nicht gefährlich. Muttertiere beschützen jedoch ihren Nachwuchs mit ausgeprägten Mutterinstinkt und so können sie auch zur ernsthaften Gefahr für unachtsame Wanderer werden.

 

In der letzten Zeit konnten vermehrt Wolfsvorkommen im Liechtensteiner Alpgebiet festgestellt werden. Vor einigen Tagen ebenfalls auf Guschg. Der Wolf stellt keine Gefahr für Wanderer dar, mit der Präsenz von Grossraubtieren nimmt jedoch das Abwehrverhalten bei Rindern zu und kann besonders gegen Hunde auch aggressive Züge annehmen. 

 

Die Alpen sind sowohl Naherholungsgebiet als auch landwirtschaftlich genutzt. Daher braucht es ein «Miteinander» und gegenseitiges Verständnis. Bitte beachten Sie deshalb ein paar Verhaltenstipps beim Betreten der Alpweiden. Generell gilt: Verlassen Sie nicht die markierten Wege durch die Alpweiden und bleiben Sie auf dem Wanderweg.

 

  • Streicheln Sie nicht die Jungtiere und nähern Sie sich diesen nicht unnötig.
  • Wenn möglich, umgehen Sie Tiere, welche auf den Wanderwegen stehen.
  • Führen Sie Hunde an der kurzen Leine. Greift eine Mutterkuh Ihren Hund an, lassen Sie die Leine im Ernstfall los.
  • Stehen Sie nie zwischen Kuh und Kalb.
  • Vermeiden Sie den direkten Augenkontakt mit den Tieren.
  • Fuchteln Sie nie mit Ihrem Spazier-/Wanderstock in der Luft herum.
  • Packen Sie Ihren Rucksack nicht inmitten einer Herde aus.
  • Kommen die Tiere auf Sie zu, bleiben Sie ruhig und drehen Sie ihnen nicht den Rücken zu. Verlassen Sie das Gebiet langsam.

 

Auf Guschg sind alle gern – Mensch und Tier. Daher sind wir bemüht ein friedliches Nebeneinander von Nutztieren und Freizeitsportlern zu ermöglichen. Mit einigen einfachen Verhaltensregeln lassen sich unliebsame Begegnungen zwischen Kühen und Bergtouristen vermeiden. Als Hinweis für Bergsportler und Wanderer stehen zudem auf dem gesamten Alpgebiet Info-Tafeln bereit. Das Betreten der Alpweiden geschieht zudem auf eigene Gefahr.

 

Quellen:
  • www.bauernzeitung.ch
  • www.schweizer-wanderwege.ch
  • www.diegruene.ch
  • www.sbv-usp.ch
  • www.bul.ch
Bild: Samuel Krähenbühl