Schnee liegt in den Bergen, das Vieh hat die Alpen vor einiger Zeit bereits verlassen und auch jagdlich kehrt ab dem 15. Dezember Ruhe ein. Einige Wildtiere befinden sich im Winterschlaf, andere wiederum leben von den über den Sommer angefressenen Fettreserven. Eine idyllische Stimmung herrscht auf dem Schönberg. Doch der Schein trügt!
Das Liechtensteiner Berggebiet ist sowohl im Sommer als auch im Winter ein begehrtes Naherholungsgebiet für Freizeitsportler von nah und fern. Gerade das Gebiet Sass-Schönberg bietet perfekte Bedingungen für unterschiedliche Freizeitsportarten. Sei es eine Skitour auf den Schönberg, eine Winterwanderung zum Sassseeli oder ein Schlittelrennen vom Sassförkle runter. Die Möglichkeiten sind divers.
Doch genauso divers wie die möglichen Freizeitbeschäftigungen sind, so fragil ist auch das Ökosystem, in welchem diese stattfinden. Rund um den Schönberg leben diverse Tierarten, welche speziell im Winter aber während dem Rest des Jahres ihre Ruhe brauchen. Sind es die Hirsche, welche tagsüber im Fichtenwald unterhalb des Schönbergs und Richtung Valorsch ihren Einstand suchen, das Birkwild, das zwischen den Legföhren balzt, das Gamswild, das zwischen dem Stachlerkopf-Drei Kapuzinern-Schönberg in den Felswänden steht oder das Schneehuhn, dass unweit der Skitourabfahrtsroute liegt.
Die Wildtiere fahren im Winter ihren Stoffwechsel und den Kreislauf auf ein Minimum herab, um die Zeit mit mangelnder Nahrung und Ressourcen zu überstehen. Das Rotwild beispielsweise senkt den Energieumsatz um ca. die Hälfte und fährt den Stoffwechsel sowie die Körpertemperatur herab. Eine Störung, welche durch das Nichtbeachten der offiziellen Wanderwege entstehen kann, kann fatale Folgen für diese haben. Gamswild beispielsweise flüchtet vor Störungen und eine solche Flucht raubt Energie, was im schlimmsten Fall im Tod der Gams enden kann.

Abbildung 1: Energieverlust einer Gams im Gehen und während der Flucht im Schnee.
Schneehühner ziehen sich bei schlechtem Wetter und grosser Kälte in ihre Schneehöhlen zurück. Unachtsame Tourenskigeher können bei der Abfahrt, wenn sie sich nicht an die empfohlenen Routen handeln, das Schneehuhn aufschrecken und dazu zwingen, die Höhle zu verlassen, was mit viel Stress und damit mit einem grossen Energieverlust verbunden ist.
Um ein Miteinander zwischen Freizeitsportlern, den Wildtieren und dem Ökosystem zu gewährleisten, sind einige Regeln zu beachten:
- Offizielle Wege beachten: Bleiben Sie bitte auf den offiziellen Wegen. Dadurch bleibt die Störung für die Wildtiere und das Ökosystem auf einem Minium.
- Winterruhezonen respektieren: Winterruhezonen schützen die letzten Rückzugsorte der Wildtiere und dürfen deshalb nicht betreten werden.
- Hunde anleinen: Hunde stellen für das Wildtier urinstinktiv eine Gefahr dar. Freilaufende Hunde können von einem Moment auf den anderen ein Wildtier aufscheuchen und zu einer kräftezerrenden Flucht zwingen. Führen Sie Ihre Hunde deshalb bitte an der Leine.
- Müll mitnehmen: Zurückgelassener Abfall und auch Hundekot können zu einer Verunreinigung der Alpweiden führen und stellen ebenfalls eine Gefahr für die Wild- und Nutztiere dar. Nehmen Sie Ihren Müll deshalb bitte mit und entsorgen Sie diesen fachgerecht.
- Wildtiere respektieren: Die Wintermonate stellen für die Wildtiere bereits aufgrund der Witterungsverhältnisse eine grosse Herausforderung dar. Beschränken Sie Ihre Aktivitäten deshalb auf die Tageszeit. Nächtliche Aktivitäten oder Störungen in der Dämmerung stellen eine weitere Herausforderung dar. Ebenfalls ist es empfehlenswert, sich den Wildtieren nicht zu nähern sondern deren Anblick aus der Ferne zu geniessen.
- Wildtiere nicht füttern: Die Wildtiere haben ihren Stoffwechsel in den Wintermonaten umgestellt. Ein Füttern von Wildtieren mit menschlicher Nahrung kann für diese schädlich sein.
Wenn diese Regeln eingehalten werden, steht einem gesunden Miteinander zwischen Mensch und Tier nichts im Wege. Mit einem respektvollen Verhalten können wir auch in Zukunft den Birkhahn im Gebiet Rossboda, den Gamsbock unter den Drei Kapuzinern oder die Hirschbrunft im Vordervalorsch geniessen.
Nicht nur in den Wintermonaten ist ein respektvoller Umgang mit der Natur sehr wichtig sondern das ganze Jahr über gilt es, Rücksicht zu nehmen und sein Verhalten der Natur anzupassen. Dies gilt insbesondere während der Paarungs- und Aufzuchtzeit der Wildtiere aber auch in der Dämmerung und Nacht. Der Sternenhimmel vom Schönberg aus mag noch so schön sein, dennoch hat es einen sehr negativen Einfluss auf die Natur, wenn an einem schönen Sommerabend Zelt an Zelt auf dem Schönberg steht.
Gemeinsam, durch einen rücksichts- und respektvollen Umgang mit der Natur, können wir das einzigartige Ökosystem der Alpen erhalten.
Die Alpgenossenschaft Guschg und die Wildtiere danken euch für einen respektvollen Umgang mit unserer schönen, aber fragilen Natur.
In diesem Video erhalten Sie weitere Verhaltenstipps und hier können Sie sich noch detaillierter informieren.
Abbildung 2: Wildtiere, die im Gebiet Guschg leben (Quellen: Markus Stähli, Vogelwarte Sempach, Pascal Gassner)





